G-8 und kein Ende!

  (21.11.2007) Einen besseren Tag hätte die Kultusministerin eigentlich nicht wählen können: Ausgerechnet am Buß- und Bettag verkündete sie, wie sie sich die Rettung ihres unter Dauerkritik stehenden G-8-Konzepts zur Verkürzung der Schulzeit und für das "Turbo-Abi" vorstellt. Grund zur Buße hätte sie allemal, denn der durch die derzeitige Regelung angerichtete Schaden ist immens!

Hätte sie also Buße getan, dann, ja dann wäre vielleicht noch Hoffnung für sie und ihre CDU, denn schon in der Bibel (Lukas 15,7) steht geschrieben: "So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen." Es war aber mit der Bußfertigkeit der bekennenden Protestantin Wolff nicht weit her - und mit der tätigen Reue leider auch nicht! Denn die Betroffenen - Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrer und Schulleitungen - müssen sich schon veräppelt vorkommen, wenn die Kultusministerin Wolff ihre vorgestellten G-8-"Nachbesserungen" als Schritt in die richtige Richtung bezeichnet. Tatsächlich ist es erneuter Murks aus dem Hause Wolff zu Lasten der an Schule beteiligten Menschen.

Es gibt überhaupt keinen inhaltlichen Ansatz, wie der berechtigten Kritik nach der Überlastung der Stoffpläne begegnet werden könnte. Es gibt keinen Hinweis darauf, auf welche Weise die betroffenen Gymnasien in echte Ganztagsschulen umgewandelt werden könnten. Es gibt keinen Hinweis auf zusätzliches schulisches Personal, das den Schülern und Lehrern bei der Bewältigung ihrer Aufgaben helfen könnte. Statt dessen wird die gnadenlose Politik der Abschottung des gegliederten Schulwesens weiter zementiert, die Kinder werden in ein vormittägliches Korsett gezwängt und die Verantwortung für alle diese pädagogisch widersinnigen Entscheidungen werden - mal wieder - auf die Schulen und die Schulleitungen vor Ort und letztlich auch auf die Eltern selbst verlagert.

Die Schulen sollen nun auch noch einen Stundenplan gestalten, dessen zeitlicher Rahmen von der Kultusministerin vorgegeben wird, indem Doppelstunden verordnet und Nachmittagsunterricht vorbestimmt wird. Frau Ministerin aber wird dann bei Schüler- und Elternprotesten ihre Hände in Unschuld waschen und auf die "unfähigen" Schulen vor Ort verweisen. Dies ist ein eklatanter Verstoß gegen die Fürsorgepflicht der Ministerin als Dienstherrin und ein Verstoß gegen das vom Kultusministerium pompös verkündete Ziel größerer Eigenverantwortung für die Schulen! Erreicht wird damit mehr Unruhe und Stress an den Schulen, aber nicht die dringend notwendige Ruhe und Geborgenheit für die Schülerinnen und Schüler. Die SPD bietet mit ihrem Konzept des "Hauses der Bildung" eine klare Alternative und wird deshalb diesem ganzen G-8-Spuk ein Ende machen und die Schulzeitverkürzung in der Mittelstufe komplett zurücknehmen. Die Landesregierung aber wird mit ihrer unbußfertigen Haltung weder im Himmel noch bei den Wählerinnen und Wählern Freude auslösen. Könnte sein, dass ihr eher eine Fahrt in die politische Hölle bevor steht.