Kampf gegen Windmühlen

(15.10.2007) Es ist schon ein Kreuz! Auf der einen Seite mehren sich weltweit, aber eben auch vor unseren Haustüren, die bedrohlichen Zeichen des Klimawandels, die Preise für Energie -ob Heizung, Strom, Benzin/Diesel - steigen scheinbar unaufhaltsam. Auf der anderen Seite erhalten führende Verfechter des Kampfes gegen die Klimakatastrophe den Oscar, den Friedensnobelpreis (das Original wie den alternativen) und andere Auszeichnungen, fährt die Bundeskanzlerin von einem Klimagipfel zum anderen, redet alle Welt von der Notwendigkeit des Umsteuerns.

Nur die hessische CDU - und natürlich der amerikanische Präsident - haben immer noch nicht begriffen, mit welcher Art von fundamentaler Herausforderung für das Überleben der Menschheit und der menschlichen Zivilisation wir es hier zu tun haben. Die Herausforderung des eigenen politischen Überlebens ist ihr allemal wichtiger! Und die Grundregeln des Kampfes dafür scheinen zu besagen: Gib nie zu, dass du dich vielleicht einmal getäuscht haben könntest! Gib nie zu, dass dein politischer Konkurrent vielleicht Recht haben/gehabt haben könnte!

Verschließ die Augen vor der Realität! Deshalb ist das Bundesland Hessen, obwohl es in vielfacher Hinsicht alle Voraussetzungen bietet, Vorreiter im Kampf gegen die Klimakatastrophe zu sein, bundesweit Schlusslicht. Deswegen werden in Hessen regenerative Energien, in denen allein die Zukunft der Energieproduktion liegt, nicht gefördert, sondern bei jeder sich bietenden Gelegenheit lächerlich gemacht, klein geredet, politisch und administrativ behindert. Deswegen wird hier an der Kernenergie mit einer Hartnäckigkeit festgehalten, die selbst in der Gesamt-CDU ihresgleichen sucht.

Deswegen will man hier nicht nur den Zubau weiterer fossiler Kraftwerke - des Klimakillers Nr. 1 -, sondern auch den Ausstieg aus dem Ausstieg aus der Kernenergie, jener auf Jahrhunderte hinaus unkalkulierbarsten aller Energieerzeugungsarten, ja sogar den Zubau weiterer Atomkraftwerke (wenn auch nicht mehr ganz so laut, wie noch vor ein paar Monaten, das politische Überleben….). Deshalb auch attackiert und verleumdet die CDU das Energiekonzept der hessischen SPD mit einer Wut, die den ertappten Sünder und das schlechte Gewissen verrät.

Keine Gelegenheit wird ausgelassen, um die Mär von den 1700 Windrädern, von der Verschandelung, Verspargelung der Landschaft zu verbreiten. Der hiesige Landtagsabgeordnete Möller versucht allen Ernstes den Anschein zu erwecken, demnächst werde der Dünsberg (und wo anders ist es dann der Vogelsberg, der Odenwald, der……) mit Windkraftanlagen zugestellt. Die energiepolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion kann sich vor Schadenfreude kaum halten über ein Urteil des Darmstädter Verwaltungsgerichts, das den Bau von zwei Windkraftanlagen im südhessischen Gersprenztal untersagt. Als ob das Verwaltungsgericht zukünftig auch auf Antrag die Zerstörung unserer Umwelt durch die Auswirkungen der Klimakatastrophe untersagen könnte. Die Lanzen, mit denen die energiepolitischen Ritter von der traurigen Gestalt heute gegen die Windmühlen (Pardon: Windkraftanlagen) anrennen, sie werden gegen die Auswirkungen der Klimakatastrophe nichts helfen. Und dann werden sie vielleicht sehen, dass das energiepolitische Mittelalter vorbei ist und die feuerspeienden Drachen durch CO²-spuckende Kraftwerke ersetzt worden sind. Aber dann, Don Quichotte, wird es zu spät sein!