PISA, TIMSS, IGLU - und was man dagegen tun kann!

(10.Dezember 2008) In diesen Tagen jagen sich wieder einmal die Meldungen über das Abschneiden der deutschen Schulen in den Internationalen Leistungsvergleichen und über das Abschneiden der deutschen Bundesländer innerhalb dieser internationalen Leistungsvergleiche. Um es kurz zu machen: Es hat sich nicht wirklich viel geändert, vor allem im angeblichen „Bildungsland Nr. 1 Hessen“ nicht. Im Gegenteil: Bei der aktuellen IGLU-Studie zum Leseverständnis der Grundschüler schneidet Hessen als 13 im Bundesvergleich katastrophal ab, ja, Hessen hat es geschafft, nicht nur schlecht zu bleiben, sondern sogar noch schlechter zu werden! Wenn man weiß, dass das Leseverständnis, also die Fähigkeit, den Sinn von Sach- und literarischen Texten zu erfassen und zu verarbeiten, die Schlüsselqualifikation für Lernen schlechthin ist, dann wird dieser Befund noch viel vernichtender.

Aber unser Bildungssystem ist nicht nur nicht besser, es ist auch keinen Deut gerechter geworden! Nach wie vor bestimmt die soziale Herkunft in Deutschland – und besonders in Hessen – über die Bildungschancen und damit über die Zukunft unserer Kinder, in starkem Gegensatz zu vielen anderen Ländern und trotz der unzähligen Mahnungen internationaler Organisationen von der OECD bis zur UNESCO und trotz der einmütigen Forderungen von Elternvertretungen, Gewerkschaften und Wirtschaft. Es ist gewiss kein Zufall, dass bei der jetzt vorgestellten IGLU-Studie die Ergebnisse zur Treffsicherheit von Schullaufbahnempfehlungen und -entscheidungen nicht mit veröffentlicht wurden, wahrscheinlich sind sie einfach zu niederschmetternd. Was ist zu tun? Die Hessische SPD und Thorsten Schäfer-Gümbel haben gerade ein „Aktionsprogramm Schule“ vorgelegt, in dem kurz- und mittelfristige Maßnahmen bis zum Ende der nächsten Wahlperiode zusammengefasst werden. Es formuliert Ziele und sagt gleichzeitig, welche zusätzlichen Ressourcen für die Erreichung dieser Ziele eingesetzt werden sollen.

In der Summe sollen das bis zum Ende der Wahlperiode jährlich zusätzlich 250 Millionen € sein. Das ‚Aktionsprogramm Schule’ setzt das Schulkonzept der SPD um. Wir wollen die frühkindliche Bildung ausbauen, die Grundschule stärken, die Klassen kleiner machen, echte Ganztagsschulen zulassen, die völlig verkorkste Schulzeitverkürzung (G 8) zurücknehmen und einen Schwerpunkt auf individuelle Förderung im Rahmen des längeren gemeinsamen Lernens legen. Die Qualität der Bildung muss gesteigert werden.  Eine gute Bildung und Ausbildung ist ein Gebot der sozialen Gerechtigkeit. Nur mit einer soliden Ausbildung und guten Persönlichkeitsentwicklung durch die Bildungseinrichtungen können sich Menschen später selbst bestimmt entfalten. Deshalb muss die eklatante Benachteiligung sozial und ökonomisch Schwächerer beendet werden, das gilt vor allem für Kinder mit Migrationshintergrund. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Krisensituation müssen alle Kinder optimal ausgebildet und gefördert werden.

Nur so kann der Standort Hessen gesichert werden. Hessen kann es sich schlicht nicht länger leisten, vorhandene Talente zu vergeuden.  Und schließlich muss Politik auch eine Antwort auf den immer deutlicher spürbaren demographischen Wandel geben.

Wir wollen ein wohnortnahes Bildungsangebote für alle Kinder garantieren. Auch deshalb brauchen wir verstärkt integrierte Schulangebote, denn bei dramatisch zurückgehenden Schülerzahlen lässt sich das gegliederte Schulsystem nicht mehr aufrechterhalten. Andere – auch CDU-regierte – Bundesländer haben das längst bemerkt.  Wir wollen die hessischen Schulen nach zehn Jahren bildungspolitischer Fehlentscheidungen von Roland Koch wieder zukunftsfest und leistungsfähig machen. Dann müssen auch Kultusminister künftig die Zeugnisausgabe bei der nächsten Internationalen Studie nicht mehr fürchten.