Schluss mit dem Schweinezyklus!

(30.07.2009) Manche Dinge wiederholen sich – so scheint es jedenfalls – unendlich oft. So ist es mit der Einstellungssituation von Lehrerinnen und Lehrern. Die aktuelle Situation bei der Einstellung von Lehramtsanwärtern in Hessen ist genauso unverständlich und absurd, wie damals 1983, als ich nach durchaus erfolgreich absolviertem 1. und 2.Staatsexamen mit den besten Wünschen meiner Ausbilder in die Arbeitslosigkeit entlassen wurde. Manche meiner Kolleginnen und Kollegen hatten damals bereits jahrelang auf einen Referendarsplatz gewartet, nur um danach trotz voller Klassen und einer sich abzeichnenden Überalterung der Lehrerschaft Taxi zu fahren oder eine Umschulung zum Programmierer zu beginnen.

Damals wie heute: Junge Menschen, die erfolgreich ihr Studium absolviert haben und in den Lehrerberuf streben, werden durch fehlende Plätze in den Studienseminaren und durch nach wie vor schlechte Berufsperspektive trotz anhaltend hohen gesellschaftlichen Bedarfs ausgebremst. Oft hat diese Situation zur Folge, dass man sich, zumindest für einen Zeitraum von einem halben Jahr, mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten muss. Es zeichnet sich ab, dass in Hessen fast 1300 Lehramtsanwärter nicht ins Referendariat übernommen werden können.

Von 550 Bewerberinnen und Bewerbern für den Vorbereitungsdienst für das Lehramt an Grundschulen wurden 300 (rund 55%) und von 1.274 für das Lehramt an Gymnasien 763 (rund 60%) abgelehnt. Lediglich bei den Haupt- und Real-, den Förder- und den Beruflichen Schulen sieht es etwas freundlicher aus. Betroffen sind dabei durchaus auch Absolventen mit so genannten Mangelfächern wie Mathematik. Angesichts des sich immer deutlicher abzeichnenden Lehrermangels, angesichts der Tatsache, dass die Landesregierung Abwerbekampagnen in anderen Bundesländern durchgeführt habe und dass mit der gerade erst verabschiedeten Novelle des Lehrerbildungsgesetzes die Verwendung so genannter ‚Seiteneinsteiger’ verankert wurde, um gerade in den Mangelfächern für genügend Fachpersonal zu sorgen, erscheint diese Einstellungspraxis gegenüber den um ihre Perspektive bangenden Nachwuchslehrern geradezu zynisch. Diese Entwicklung wirkt im Hinblick auf die dringend erforderliche Kontinuität der Ausbildung von qualifiziertem pädagogischem Nachwuchs wie Gift. Wenn Lehramtsstudierende nicht einmal in einer von Lehrerknappheit beherrschten Situation damit rechnen können, ihre Ausbildung in angemessener Frist beenden zu können, dann wird der Beruf dadurch sicher nicht attraktiver.

Mit ihrer widersprüchlichen Politik bei der Lehrerausbildung erweist die Landesregierung nicht nur den Nachwuchskräften selbst, sondern dem gesamten Schulwesen in Hessen einen Bärendienst. Aus dem berühmt-berüchtigten ‚Schweinezyklus’ in der Lehrerausbildung kommt man so jedenfalls nicht heraus. Das aber täte nach all den Jahren Not!