Von Schirmen und Paketen

(24.02.2009) „Auf den lass’ ich nix kommen, noch net mal en Schirm wenn’s regnet!“ So pflegt man in meiner Odenwälder Heimat zu sagen, wenn einem jemand ganz und gar gleichgültig ist oder einem gar so richtig gegen den Strich geht. In Zeiten wie diesen aber geht niemand mehr ohne Schirm - und muss es auch nicht! In der Wirtschaft braucht praktisch jeder einen und die Politik nimmt sich aus wie ein großes Schirmgeschäft oder ein Schirmverleih, in dem für jeden Bedarf das passende Modell zu haben ist.

Gleichgültig ob Banken, Autohersteller und Autoherstellerzulieferer oder Bankautohersteller oder Hypothekenzulieferer oder demnächst vielleicht auch Warenhauskonzerne: Alle, die in der aktuellen Wirtschaftskrise in Schieflage sind und denen das Wasser schon bis zum Halse steht, rufen nach dem Staat, dem großen Schützer und Schirmer. Und der, egal ob Bund oder Land – und, wer weiß, vielleicht demnächst auch die Kommunen, die bisher eher meist selbst im Regen standen – eilt herbei: froh, mal so richtig gebraucht, ja geradezu herbeigesehnt zu werden, froh, dass man von ihm, der doch noch vor kurzem als chronisch kranker, alter, inkompetenter Vollversager geschmäht und aus dem gesamten Wirtschaftsleben hinaus und zum Teufel gewünscht wurde, nun tatsächlich mal etwas erwartet wird und zwar nicht weniger als die Rettung der Volkswirtschaft, ach was, der ganzen Welt einschließlich der benachbarten Galaxien. In der vordersten Linie der Volkswirtschafts- und Menschheitsretter stehen die, die noch vor kurzem auf all das „noch net mal en Schirm hätten kommen lassen“.

Und Geld, das man bisher für nichts, aber auch für gar nichts hatte, spielt plötzlich keine Rolle mehr. Wo es bisher mühsam 1000-€-weise zusammengekratzt werden musste, wenn es zum Beispiel darum ging, für obdachlose Menschen ein schirmendes Dach gegen Regen und Kälte zu organisieren, da stehen jetzt Milliarden auf ein Fingerschnippen zur Verfügung und das ordnungspolitische Mantra der Hohepriester der sonntäglichen Talkshow ist so megaout wie noch bis vor kurzem ein Lektürekurs für „Das Kapital“.

Der treue Begleiter all der Banken- und Auto- und sonstigen Schirme ist das Paket, genauer: das Konjunkturpaket. Auch hier hält man sich mit Kleinigkeiten nicht mehr auf. Alles soll plötzlich gemacht werden, alles wird neu und schön und ökologisch und nachhaltig. Die Krise ist der Vater aller Dinge. Und so werden nun die Klos in unseren Schulen repariert und die Dächer der Turmhallen saniert und mit ein bisschen Glück wird die große weite Welt der Globalisierung auch in die ländlichen Außenposten der Zivilisation vordringen, wo man bisher mangels Breitbandverkabelung von den großen Krisen der Zeit nichts mitbekommen hatte. Und vielleicht bleibt dann auch noch ein Zehner übrig. Für einen Schirm für einen Obdachlosen. Merke: Wo aber Gefahr ist, da wächst das Rettende auch und jeder Krise wohnt ein Zauber inne. Oder so ähnlich……