Vorrang für Kinderschutz – auch an Schulen!

(08.März 2010) Kinder vor körperlicher und seelischer Gewalt, vor Missbrauch und Vernachlässigung, vor Not und Armut zu schützen, sie alle möglichst früh und möglichst umfassend zu fördern, ist die vornehmste Aufgabe jeder Gesellschaft, jeder staatlichen Ordnung und jeder politischen Ebene. Dass die Realität oft anders aussieht, ist bekannt.

Dass aber auch in Institutionen, zu deren besonderem Auftrag der Schutz der Kinder gehört, genau diese primäre Aufgabe vernachlässigt wurde, ja dass in ihnen offensichtlich massenhaft Kinder missbraucht wurden, das ist in hohem Maße erschreckend und deutet auf fundamentale gesellschaftliche Fehlentwicklungen.

Die Aufdeckung von zahllosen Fällen körperlicher Gewalt und sexuellem Missbrauch in katholischen Einrichtungen und mittlerweile auch in renommierten reformpädagogischen Einrichtungen bedeutet eine neue Qualität und muss Anlass für eine fundamentale Neubesinnung sein. Wenn Kinder im Schutz der Kirche nicht mehr sicher sind, wenn ihnen in Einrichtungen, die die „Pädagogik vom Kinde aus“ als Programm verkündet haben, Gewalt angetan wird, wo sollen Kinder dann eigentlich noch sicher sein? Welcher Institution, welcher Organisation sollen wir als Eltern unsere Kinder eigentlich noch sorgenfrei anvertrauen? Das Gift des Misstrauens ist ausgesät, es ist zu erwarten, dass bisher erst die Spitze eines Eisbergs sichtbar geworden ist. Schule, soviel ist klar, muss sich mit der Frage des Kinderschutzes beschäftigen – und zwar in zweierlei Hinsicht. Zunächst muss offensichtlich sichergestellt werden, dass körperliche Misshandlung und sexueller Missbrauch in der Schule ausgeschlossen werden.

Welche Vorkehrungen dafür nötig sind, muss in der Diskussion der kommenden Wochen und Monate herausgearbeitet werden. Zum zweiten muss Schule – wie jetzt schon die Kindergärten – auch verstärkt zu einem Ort der Prävention werden. Lehrerinnen und Lehrer, die Kinder einen erheblichen Teil des Tages und über Jahre hinaus in Obhut haben, müssen besser qualifiziert werden, die Symptome von Gewalt und Missbrauch rechtzeitig zu erkennen. Aktionspläne müssen sie in die Lage versetzen, angemessen zu reagieren. Dazu bedarf es eines Netzwerkes der fachlichen Beratung, der Prävention und der Intervention.  Dazu müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Die Schulen müssen sich ihrem Kinderschutz-Auftrag stellen. Und: Träger wie der Kinderschutzbund müssen personelle und finanziell in die Lage versetzt werden, die notwendige Unterstützung auch zu leisten. Handeln ist angesagt!